Plattdeutscher Kreis

Platt in Pottwosthusen
Ratslag
von Irmgard Grote

Föhl un denk un doo dat Rechte!
Wahr´ dik vor´t Gemeine, Slechte!
Lehr wat un bliew ümmer flietig!
Fang din Wark an, frisch un tiedig!
Gah dienn Weg, ahn´Forcht un Wanken!
Un vergett nich, Gott tau danken!
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De Papagei
von Gertrud Schnelle

In einen Zooladen kümmt ein Kerl un will for siene Frau einen Papagei köpen. De
Ladenbesitzer hat ok sofort einen schönen bunten Vagel da. Hei lowet den Papagei in de
höchsten Töne. Tellt alle siene Vorrdeile op, seggt ok wie schön de Vagel reden kann!
Wenn du de Kette an sienem linken Bein treckest, denn seggt dat Dier.“Guten Morgen“,
treckest du de Kette an sienem rechten Bein, seggt hei: „Guten Abend.“
De Papagei sitt ganz stille op siene Stange.
„Un wenn ick nu an beide Ketten trecke?“ seggt de Kerl, de den Papagei köpenn will.
„Denn falle ick op de Klappe!“ röpt de Papagei.
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Wat is en Kavalier?
Von Frieda Bittersohl

Fritzchen döört eines Tages mit Mudder inne Stadt
wo Mudder wat tau besorgen hat.
Sei künnnt nu nich alle Wege gahn,
un fäuert ok mal mit de Stratenbahn.
Et is bannig vull, un ok mächtig warm,
un da kümmet ne junge Frau mitten Kind oppen Arm.
Un Fritzchen, as lütjen höflichen Jungen
is denn ok gliecks to Höchten gesprungen.
Un dä junge Frau, dä freut sick gewiss,
dat Fritzchen son höflichen Jungen is.
Sei seggt. „Dat is nett, und ich danke dir;
Du bist ja ein kleiner Kavalier.“
Den anderen Dag inne Schaule, da süllt nu dä Gören
ok mal wat von Fritzchen hören.
Un dä Lehrer, dä seggt nu sau dütt un datt,
un wat dütt un datt Wort tau bedüen hat.
Un mit einmal,da fällt ein dat grade sau in,
un et kummt em dat Wort Kavalier in den Sinn.
Un hei seggt: „Kinder, nun saget mir,
doch mal, was ist wohl ein Kavalier?“
Da shütt Fritzchen sin Finger aber pile tau Höchte,
weil hei doch gern watt seggen möchte.
Un hei röppt: „Herr Lehrer, ick wett, ick wett
dat is ein, der ne Frau mitten Kind sitten lett!“
Vorgetragen von Rita Deiders am 25. Oktober in der Heimatstube Vorsfelde
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Lat ´ne man sick hierher setten!
Von Krischan Rakebrandt

Wer in de Kerken den Gottesdienst stört, de kann swar bestrafet wern. Da gifft et ´n
Gesetze vor.
As aber mal in Piesau de ole Burgvogt Baukhorst den Pastor in de Preddig underbroken
hat – un dat lut, hat et kein Naspeel geben. Dat kamm so:
De ole Burgvogt sitt midde veelen annern Sünndags in de Kerken. De Pastor preddiget
von de Kanzel run. Dat was aber keine dulle Preddig. De Pastor rede un dröhne un kamm
nich von ´r Stidde. An düssen Dage harre hei et midde Petrus un in einen Striepen ging
dat bi öhne so: „Petrus war ein Jünger des Herrn. Der Herr hatte zwölf Jünger. An welche
Stelle sollen wir nun Petrus setzen? Sollen wir ihn neben Johannes setzen? Oder sollen
wir ihn neben Lukas setzen? Oder setzen wir ihn lieber zu Matthäus? Wohin, meine liebe
Gemeinde, sollen wir ihn setzen?“
So ging dat denne ´ne ganze tiedlang. Denne aber word et den Burgvogt tauveel un hei
raup tau `r Kanzel hoch: „Lat `ne sick man hierher setten – ick will mick midde öhne woll
verdragen!“

Spatzenwiehnacht
aus der Sammlung Waldemar Peters, vorgetragen von Edmund Walgenbach
am 25. Oktober 2019 in der Heimatstube Vorsfelde
Et was schon vorr veelen Johrn korrt vor Wiehnachten. Vor Doktor Schulzen sein Huus in
Vossfelle stund nen Päärd mit Wagen. De Kutscher harr de Töggel anne Runge
festebunnen un was in dat Huus egahn. Dat Päärd stund still da. Et was en Päärd vun de
ölleren un ruhigen Art. Äff un tau schüddele et midden Koppe un böhre mal dat rechte, mal
dat linke Bein. Dat Päärd harr woll Langewiele.
Oppen Tuun im Snie sat een ooler Spatz. Hei dusel in de Külle so vorr sick henn. So recht
oppewaket was hei noch nich. Da sah hei dat Päärd – hei kieke noch mal un zetere dann
los: „Heh, Frünne, een Päärd, koomt mal ran!“
Da keim se alle: siene Frau, siene Dochter, sein Swiegersohn un noch fief annere
Spatzen.Alle harrn se nur eenen Wunsch: WIEHNACHTSÄPPEL! Nu seiten se alle op´n
Tuun. Öhre Oogen warn op dat Päärd erichtet. „Op et woll wat fallen lött?“ frauch een lütter
Spatz.Opa antwöre: „Wi mööt op de Darmperistaltik achten!“ „Wat sollt wi üsch ankieken?“
was de Frage.
Opa secht, dat is latinsch un meent die Darmbewegungen. Schon saaten einige Spatzen
under dat Päärd un keiken vuller Sehnsucht op den Buuk von Dier. Oppen Mal röppt
eener: „Opa, Opa ne Peri… Peri… ne Buukbewegung!“ De Pääreswanz bewege sick –
aber nur von rechts na links.
De Spatzen flaugen wedder op den Tuun. De groote Voggelfamilie was enttüscht. De Tied
leip hen, et passiere nist. Da ward et Opa tau bunt. Dat harre hei noch nicht erlebet. Ne
ganze Stunne schon ohne Appel. Klappe de Verdauuung nich bi düssen oolen Bock?
Doch wat was dat denn? Da was Bewegung im Päärebuuk. Opa slauch midde Fitschen.
„Peristaltik, Peristaltik!“ raup hei. Alle starren op den Pääreswanz. Öhre Oogen keimen
fast ut den Kopp. De Swanz ward anneböhrt.
„Opa, Opa, et lött wat fallen“, schrie de Lütte. Doch Opa bleiw ruhig un teile midde: „Een,
twee, dree… tahn Stück, dat is een guer Dorchschnitt!“ Alle danzen op den Tuun. Dann
fleiget se alle op de Straate un saaten vor dem dampenden Wiehnachtsbraaen. Opa
seggt:
Na, denn man schöne Wiehnachten!

„Platt in Pottwosthusen“
Tro di wat, snack Platt!
Dazu lädt der Heimatverein Vorsfelde ein am Dienstag, den 10. März um 15.30 Uhr im Café Meyer, An der Meine 8 in Vorsfelde.
Dazu erwarten die Organisatoren als Gast Rolf Ahlers, Plattreferent der Braunschweigischen Landschaft. Bekannt ist der Wendeburger auch als Autor plattdeutscher Bücher wie „Platt is wat“ ,“De Bottervogel“, sowie der ostfälischen Sprach- und Schreiblehre. Die Vorsfelder wollen sich über das Gebiet Ostfalen und die Besonderheiten der Mundart informieren. Vertelljes un Stippstöreken kommen dabei nicht zu kurz.
Beim vorangegangenen Treffen berichteten Zeitzeugen wie Peter Wilhein, Hans Bertram und Elisabeth Stelter über die Lebensumstände in ihrer Kindheit und Jugend. „Humor, Lebensfreude und Optimismus halfen uns über viele Schwierigkeiten“, erklärte auch Frieda Kurtz, deren Mutter Frieda Bittersohl neben der Familie noch ein Geschäft führte und etliche Beitäge in plattdeutsch veröffentlichte. Gut bekannt war ein Helmstedter Heimatkundeschulbuch, aus dem Edmund Walgenbach die Geschichte eines Wunderheilers aus seiner Familie vortrug.
Uta Hartwig brachte die Gruppe musikalisch in Schwung mit der Vossfellschen Hymne „Wo dä Aller friedlich dorch dä Wieschen flütt“ und dem „Jannewar“(Januar)Lied.
Den Abschluß bildete „De Abend klingt sacht ut“, wie schon im früheren plattdeutschen Kreis.
Aufgrund der begrenzten Plätze bittet der Heimatverein um Anmeldung bis 6. März bei Rita Deiders Tel. 05363-74021