Heimatstube

Wolfsburg-Vorsfelde, Meinstr. 13

Geschichte:

2002 wurde der Heimatverein 50 Jahre alt. Im Rahmen des Jubiläumsjahres zeigte der Verein

Eine Ausstellung mit dem Titel „Wohnen 1952“ in der Aula des Schulzentrum Eichholz. Die meisten Ausstellungsstücke wurden gespendet, nur ein kleiner Teil waren Leihgaben. Als wir die Ausstellung mit feuchten Augen wieder abbauten, beschloß der Vorstand dies als Grundstock für eine Heimatmuseum mit Schwerpunkt „50er Jahre“ beisammen zu halten und so wurden die Exponate beim Vorsitzenden eingelagert. Zunächst reichten eine Laube, Teile der Scheune und ein Kellerraum im Haus des Vorsitzenden. Bald reichte der Platz nicht mehr aus und die Mutter des Vorsitzenden duldete, daß in ihrem Haus ein weiterer Raum genutzt wurde.

Mehrere Gespräche mit dem Ortsbürgermeister (zunächst Alfred Riebe, dann Günter Lach) brachten bei der Raumsuche keinen Erfolg. Es gab auch einige Angebote von privater Seite, die aber an der Miete scheiterten. Außerdem waren wir uns einig, daß die Räume möglichst zentral in Vorsfelde gelegen sein sollen, da wir an unsere Schulen gedacht haben und von diesen fußläufig erreichbar sein sollten. Hinsichtlich einer Museumsgründung war bis 2011 noch nichts erreicht! Dann stieg der Druck durch Raumbedarf im eigenen Haus, eine Lösung zu finden deutlich. Der Vorsitzende hatte dann ein Gespräch mit Günter Lach, indem auch an die Möglichkeit einer Überlassung von Räumen durch einen Vorsfelder Hausbesitzer gedacht wurde. Joseph Klein hat dann dem Heimatverein 150 qm mietfrei zur Verfügung gestellt, so daß nach rund 300 Arbeitsstunden am 20.5.2012 die Heimatstube eröffnet werden konnte.

Der Dank des Vereins gilt neben Joseph Klein, der Stadt Wolfsburg und der Volksbank für ihre finanzielle Hilfe, einigen Drömlingsängern und den Aktiven in unserem Verein beim Aufbau.

Unsere Einrichtung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den 50er Jahren, also der Nachkriegszeit und dem einsetzenden Wirtschaftswunder.

Raum 1 zeigt eine Wohnung der damaligen Zeit. Die Probleme, die sich aus dem rasanten Wachstum von Vorsfelde im Einzugsgebiet des Volkswagenwerkes ergaben, sollen in Raum 3 später dargestellt werden.
Die Wohnung ist nicht nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten errichtet. Sie soll auch die Atmosphäre der Zeit widerspiegeln. Es soll kein Möbelkatalog sein. Man soll den Eindruck gewinnen, hier wohnt jemand und ist nur kurz vor die Tür gegangen. Wenn Sie also den Eindruck haben, daß es an einigen Stellen nicht aufgeräumt ist, ist das beabsichtigt. Auch früher haben die Kinder, wie auch einige Erwachsene ihre Sachen da fallen lassen, wo sie gerade standen. Die Klage der Mütter: „Immer muß man hinter euch herräumen“, ist nicht neu.

In der jungen Bundesrepublik galten noch die gesellschaftlichen Regeln der Vorkriegszeit. Der Mann ging arbeiten und Geld verdienen und die Frau besorgte den Haushalt und die Kinder. Falls nötig wurden auch alleinstehende Familienmitglieder (Großeltern oder deren Geschwister) in die Wohnung aufgenommen. Diese halfen dann im Haushalt mit und betreuten auch die Kinder. Die wirtschaftliche Situation war durch die Mängel der Nachkriegszeit und die daraus resultierenden Ängste gekennzeichnet. Nichts wurde weggeworfen, alles nach Möglichkeit repariert und hinsichtlich des Essens wurde eine für uns heutige unvorstellbare Vorratswirtschaft betrieben. In der zweiten Hälfte der 50er änderte sich dies. Es gab wieder alles zu kaufen, die Löhne waren gestiegen und es gab viele elektrische Geräte, die das Leben leichter machen sollten.

Ein Auto hatten die wenigsten, einige hatten ein Motorrad oder Moped und so mußte vieles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden, sofern es nicht mit dem Fahrrad zu erreichen war.

Nach dem Betreten der Wohnung sieht man links eine Vorkriegsflurgarderobe mit moderner Kleidung und den zu wechselnden Schuhen. Es sollte kein Dreck mit den Straßenschuhen hereingetragen werden. Die gestrichene Wand wurde mit der „Wickeltechnik“ verziert.

Geradezu steht eine Runddeckeltruhe, in der häufig die Aussteuer der Hausfrau untergebracht war.

Das Wohnzimmer, auch „Kalte Pracht“ genannt, wurde nicht täglich genutzt und daher auch nicht immer geheizt. Es mußte für sonntags, Feiertage und offizielle Besuche aufgeräumt bleiben. Nur in diesem Raum ist eine teure Tapete zu finden.

Hier zeigte man, was man sich leisten konnte. Der letzte Schrei war die Musiktruhe mit Radio und Plattenspieler. Auf ihm konnten sowohl die 78er Schellackplatten, als auch später die 45er Single gespielt werden. Im übrigen hatte das Radio damals die gleiche Bedeutung wie heute das Fernsehen.

Auch die Möblierung dieses Raumes stellt eine Mischung aus alt und neu dar. Alles wurde aus Sparsamkeit weiter genutzt, wie der Volksempfänger, der noch in der Küche weiter laufen mußte. Auch wenn die Sitzgruppe modern war, wurde der alte Eßtisch weiter gebraucht. Der „röhrende Hirsch“ war über dem Sofa verschwunden und hat einem neuen Landschaftsbild Platz gemacht.

Das tägliche Leben fand in der Wohnküche statt. Hier wurde neben dem Kochen mit der Nachbarin geplauscht. Das Kleinkind wurde beaufsichtigt, am Küchentisch wurden die Schularbeiten erledigt und die Oma half bei der Essensvorbereitung. Nach dem Abwasch hat die Mutter auch kleinere Näharbeiten hier verrichtet. Gegessen wurde natürlich auch an diesem Tisch. Wenn der Vater von der Arbeit kam, machte er auf der Chaiselongue häufig ein kleines Nickerchen.

Die Elektrifizierung der Küche nahm ihren Anfang. Das erste war der Elektroherd, der aber häufig wegen der noch frischen Erinnerung an die Stromsperren der Nachkriegszeit neben den Kohleherd gestellt wurde. Außerdem wurde die Küche durch den Kohleherd geheizt.

Auf dem Küchenschrank steht ein moderner Mixer. Vereinzelt gab es auch elektrische Kaffeemühlen. Im großen und Ganzen mußten die Küchenhelfer mit der Hand gekurbelt werden. Warmes Wasser aus der Wand war ein Luxus. Auf dem Kohleherd stand dort immer ein Kessel mit heißem Wasser. Zum Händewaschen wurde oft noch ein separater Waschhocker genutzt.

Die Speisekammer lag möglichst nach Norden damit die Raumtemperatur gleichmäßig niedrig war. Kühlschränke im heutigen Sinne gab es noch nicht. Bestenfalls gab es „Eisschränke“, in denen mit einem Gemisch aus Eis und Salzwasser gekühlt wurde. Das Eis wurde aus einem Eiskeller einmal die Woche geliefert.

Die Lagerfähigkeit wurde durch Einmachen in Gläsern oder Dosen, Trocknen (z.B. Pilze oder Tees) und Räuchern erreicht. Zum Schutz gegen Fliegen wurden frische Nahrungsmittel in sogenannten Fliegenschränken untergebracht. Schimmeln oder sauer werden konnte auf diesem Wege aber nicht verhindert werden.

Aus Sparsamkeit wurden viele luftdichte Behältnisse einer Weiterverwendung zugeführt. Feste Margarinekartons wurden nicht weggeworfen, sondern weiter benutzt. In ihnen wurden nur selten benötigte Dinge, wie Einmachutensilien untergebracht. Die großen Steintöpfe dienten der Sauerkrautherstellung oder zum Einlegen von Gurken. Es wurden viele Früchte, wenn es ging, aus dem eigenen Anbau genutzt. Ziergärten waren ungebräuchlich, Eßbares wurde – Obst und Gemüse – wurde gebraucht. Weitere Nahrungsmittel kamen aus der Haltung von Tauben, Hühnern, Kaninchen, Ziegen und Schweinen.

Ein Badezimmer gab es noch nicht in allen Häusern. Wenn man Baden wollte, tat man dies in einer Zinkwanne in der Küche oder man ging zu Wendhausen in der Langen Straße. Bei fehlendem Bad gab es natürlich auch keine Innentoilette. Man mußte eben über den Hof. Daher auch in unserer Wohnung die verschiedenen Nachttöpfe.

Hatte ein Haus bereits ein Badezimmer – die vollständige Kanalisation in Vorsfelde kam erst 1954 – war es sich mit den heutigen Bädern nicht zu vergleichen. Alles war spartanisch. Statt der teuren Fliesen reichte auch ein Ölfarbsockel. Das Waschbecken hatte nur kaltes Wasser, was ja zum Händewaschen reicht. Warmes Wasser zum Zähneputzen und Rasieren wurde aus der Küche geholt. Zum Waschen wurde das warme Wasser in eine Schüssel über der Badewanne gegeben. Man behielt die alte Gewohnheit, sich täglich nur zu waschen und einmal die Woche zu baden bei. Das warme Wasser dazu wurde im Badeofen erwärmt.

Die fehlende Steckdose neben dem Spiegel ist kein Versehen. Man hat sich naß rasiert, entweder mit dem Rasiermesser oder mit einem sogenannten „Barthobel“. Auch der Föhn war im normalen Haushalt noch nicht üblich.

In der Kammer waren häufig die Oma und ein Kind untergebracht. Dieser Raum wurde nur zum Schlafen genutzt. Da die Oma erst nach ihrer Verwitwung zu den Kindern zog, nahm sie nur Teile ihres Besitzes, wie z.B. den Wohnzimmerschrank und die Büffetuhr mit Westminsterschlag, mit. Daneben finden sich einige Erinnerungsstücke.

In diesem Raum haben wir die Ofenheizung beispielhaft für die gesamte Wohnung dargestellt. Zentralheizung war die Ausnahme. Es wurde mit Briketts geheizt. Außer den in der Trage gezeigten Form gab es noch die Eierbriketts, die in einer Schütte aus dem Keller geholt wurden. In einigen Häusern gab es auch Allesbrenner, in denen Koks oder Steinkohle verfeuert wurden.

Raum 2 zeigt die Nebenräume Keller, Boden und Waschküche.

Auf dem Boden wurde alles vielleicht oder später benötigte gelagert.

Im Kellerbereich ist auch die elektrische Anlage aus der Zeit dargestellt. Daneben Schlachtutensilien und in der Waschküche der Waschkessel mit den damals genutzten Hilfsmitteln.

Auf dem Tisch im Keller liegt Werkzeug und im Regal Vorräte und verschiedene Dosen. Vereinzelt gab es auch Dosenschließmaschinen und erste Gefrierschränke oder -truhen.

Öffnungszeiten: Samstag 14.OO bis 16 und nach Vereinbarung

Anfragen an Dr. Meinhardt Leopold, 38448 Wolfsburg – Vorsfelde, Ernst – August – Str. 5,
Tel.: 05363 / 73109, E-mail: drb_drm_leopold@gmx.net